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Kelten in Bayern: Was sind Keltenschanzen? Drucken E-Mail

Kelten Bayern Karte

Als keltische Viereckschanze, kurz Keltenschanze genannt, bezeichnet man die vor allem in Süddeutschland anzutreffenden Reste eines rechteckigen Areals mit umlaufendem Wall und Graben aus der späten Latènezeit (2. und 1. vorchristliches Jahrhundert). Feedback und Hinweise zu diesen Informationen werden per Email erbeten an: keltenschanze@webkonzil.de

zu einer Karte mit 16 ausgewählten Keltenschanzen südlich München geht es hier

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Kelten Bayern Keltenschanze Neufahrn Flickr claude@munich

(Foto der Keltenschanze Neufahrn, zur Information über die Keltenschanze Neufahrn hier klicken. Foto mit freundlicher Genehmigung von claude@munich, empfehlenswert: Bilder von claude@munich bei Flickr)


Checkliste: Woran erkennt man eine Keltenschanze?

  1. Der Grundriss der Keltenschanzen ist zumeist mehr oder weniger quadratisch mit einer durchschnittlichen Seitenlänge von 75 bis 150 Metern. Es überwiegt bei den Keltenschanzen eine Nord-/Süd-Ausrichtung.
  2. Die Wälle hat man aus dem Aushub des Grabens aufgeschüttet, der normalerweise 2 bis 3 Meter tief und 4 bis 6 Meter breit war. D.h. der Antransport ortsfremden Materials war nicht notwendig. Palisadenzäune auf den Wallkränzen konnten bei Grabungen nachgewiesen werden.
  3. Die Ecken der Wallanlage sind überhöht. Die allen Schanzen gemeinsame Überhöhung der Wallecken kam dabei durch die Aufhäufung des Materials aus 2 Gräben zustande.
  4. Entgegen den Bedürfnissen von militärischen Anlagen waren die Wälle in der Regel nicht rundum gleich hoch zum davor liegenden Gelände, sondern die Wallkronen waren schanzenweit auf einer gemeinsamen Höhe unabhängig vom Höhengefüge des umliegenden Geländes.
  5. Im Inneren der Keltenschanzen befanden sich in der Regel tiefe Schächte (in der Keltenschanze Holzhausen 2 wurde bei Grabungen ein 35 Meter tiefer Schacht nachgewiesen), welche nach neuerer Forschung zufolge nicht als Opferschächte sondern als Brunnen genutzt wurden.
  6. Das Tor befand sich nie im Norden, ca. zwei Drittel der Keltenschanzen weisen ein Tor im Osten auf, die restlichen Keltenchanzen haben ein Tor im Westen oder Süden. Das hölzerne Tor stand in einer größeren Lücke des Walls mit mächtigen Pfosten.
  7. Der Graben vor dem Tor war durchlaufend. Der Graben konnte auf einer Holzbrücke überquert werden (siehe Zeichnung unten)
Keltenschanze Tor Toranlage Graben Schaubild Kelten Bayern


Nutzung der Keltenschanzen

Durch neuere Untersuchungen und Ausgrabungen gilt es als gesichert, dass manche der Keltenschanzen dauerhaft bewohnte keltische Gutshöfe oder Mittelpunkt einer ländlichen Gemeinde waren. Andererseits ist nicht ausgeschlossen, dass die Kelten auch ihre Kultanlagen mit viereckigen Einfriedungen umgaben.

Keltenschanze Siedlung Schaubild Kelten Bayern


Verbreitungsgebiet der Keltenschanzen

Das Hauptverbreitungsgebiet der Keltenschanzen liegt in Süddeutschland mit Schwerpunkt Bayern und in der Gegend zwischen Deisenhofen und Wolfratshausen befindet sich die höchste "Keltenschanzen-Dichte" in Bayern und damit in ganz Europa. Dabei liegen in einem südlichen Bogen rund um Deisenhofen allein 6 Keltenschanzen, davon sind die Schanzen Deisenhofen Süd 2 und Deisenhofen Ost (im Lanzenhaarer Feld) einer der größten Schanzenanlagen der Kelten mit jeweils einer Außenschanze mit über 20 Hektar Innenfläche. Daneben gibt es Keltenschanzen in der Schweiz, in Österreich, in Böhmen und in Nordfrankreich zwischen der Seine und der Dordogne.

In Bayern befinden ca. 150 im Gelände sichtbare Keltenschanzen. Durch die jüngere Luftbildarchäologie wurden ca. weitere 100 im Gelände weitgehend verebnete Keltenschanzen in Bayern entdeckt (z.B. Keltenschanze bei Thanning).

 

Zeitliche Einordnung

Das Fundgut der durch Grabungen untersuchten Keltenschanzen wird in die späte Latènezeit, das 2. und 1. vorchristliche Jahrhundert, datiert.

Die Kelten (griechisch Keltoi, lateinisch Celtae) ist der Begriff Sammelname für keltische Sprachen sprechende Völkergruppen in Europa. Der Volksstamm der Kelten enstand vermutlich im Bereich der westlichen Urnenfelderkultur (1200 bis 750 v. Chr.). Die Bezeichung der Urnenfelderkultur ist abgeleitet aus der Bestattungsart ihrer verbrannten Toten. Die ältesten archäologischen Funde aus der beginnenden Keltenzeit deuten darauf hin, daß sich der ursprüngliche Siedlungsraum während der jüngeren Bronzezeit (um 1200 vor Chr.) im Gebiet des heutigen Westdeutschlands und Frankreich befand.

Die eigentliche Epoche der Kelten fällt nach der vorausgegangenen Bronzezeit in die Eisenzeit und wird in zwei Kulturstufen unterteilt, die Hallstattzeit und die Latènezeit. Beide Namen haben ihren Ursprung in den jeweiligen ersten Fundorten ihrer archäologischen Entdeckung. Südwestlich und nordöstlich der hier vorgestellten Keltenschanze Kreuzpullach befinden sich mehrere, gut erkennbare Grabhügel aus der Bronzezeit (ca. 1300 v.Chr.).


Hallstattzeit (ca. 750 bis 500 v.Chr.)

Die Hallstattzeit als Periode der frühen Keltenzeit ist nach dem österreichischen Ort Hallstatt im Salzkammergut benannt.

Während dieser Zeitspanne fanden folgende Ereignisse statt:

  • 776 v.Chr. finden die ersten Olympischen Spiele statt
  • 753 v.Chr. wird Rom gegründet
  • um 600 v.Chr. gründen die Griechen die Kolonie in Marseille
  • 570 v.Chr. Nebukadnezar zerstört Jerusalem

In deiser Zeit verbreiteten sich die Kelten über Nordfrankreich auf die Britischen Inseln und über Südfrankreich bis auf die Ibererische Halbinsel. Nach den frühesten schriftlichen Nachrichten aus dem 6./5. Jahrhundert vor Christus waren sie vor allem in Süddeutschland, Nordschweiz und Ostfrankreich ansässig.


Latènezeit (480 v.Chr. bis zur Zeitenwende)

Diese Zeit bekam ihren Namen von La Tène, einem Ort am Neuenburger See in der Schweiz. In dieser Periode entwickelten sich Kultur, Wirtschaft und Siedlungstechniken rasant weiter. Es entstehen große Salzbergwerke und die Eisenherstellung wird perfektioniert. Geldgeschäfte lösen den Tauschhandel ab. Der Bevölkerungszuwachs führt zu den Keltenwanderungen bei denen neue Gebiete besiedelt werden und um 200 v.Chr. beginnt die Zeit der Viereckschanzen und der großen Oppida (Oppidum = Stadt). Manching wurde als Oppida durch zahlreiche Grabungen untersucht. Mit Fentbach bei Warngau findet sich südlich München ein weiteres Oppida.

In dieser Zeit treten die Kelten in ganz Europa auf und beeinflussen damit auch andere Kulturkreise.

  • um 385 v.Chr. belagern die Kelten das Kapitol in Rom
  • 335 v.Chr. sind die Kelten bei Alexander des Großen
  • 295 v.Chr. besiegen die Römer die Kelten
  • 279 v.Chr. plündern die Kelten Delphi
  • 278 v.Chr. siedelte eine Gruppe von Kelten, von den Griechen Galater genannt, nach Kämpfen mit den Seleukiden in Großphrygien (Zentralanatolien), das nach ihnen den Namen Galatien erhielt
  • ab 250 v.Chr. besiedeln die Kelten die Ostalpen (Königreich Noricum)
  • um 120 v.Chr. wird Südgallien römische Provinz (die im heutigen Frankreich ansässigen Kelten wurden von den Römern Gallier genannt)
  • 113 bis 101 v.Chr. durchziehen die germanischen Volksgruppen der Kimbern und Teutonen das Keltengebiet in Süddeutschland, Ostfrankreich und im Alpenraum - der Bau der Keltenschanzen erreicht seine Blütezeit
  • 58 bis 50 v. Chr. erobert Caesar ganz Gallien (ganz Gallien? zur einzigen Ausnahme in Aremorica geht es hier)
  • 49 bis 44 v.Chr. tobt in Rom der Bürgerkrieg und eskaliert in der Ermordung Caesars
  • 15 v.Chr. unterwirft Rom im Alpenfeldzug die keltischen Räter und Vindeliker im heutigen Süddeutschland
  • 40 n.Chr. endet auch für unsere Gegend endgültig die Keltenzeit mit der Besetzung des Südufers der Donau durch die Römer


Untergang der Kelten

Im Norden wurden die Kelten seit 300 vor Christus von den Germanen eingeengt und auf die Main-Linie zurückgedrängt. In die Zeit der Raubzüge der germanischen Stämme Kimbern und Teutonen durch das keltisch besiedelte heutige Süddeutschland entstanden die sogenannten spältkeltischen Viereckschanzen, offensichtlich um den notwendigen Wehrbedürfnis dieser Zeit nachzukommen.

Die Eroberung Galliens durch Cäsar (58 - 51) und die römische Unterwerfung Noricums, Vindelikiens und Pannoniens bedeuteten das Ende der keltischen Eigenständigkeit. Unter dem Druck römischer, später angelsächsischer Eroberungen in Britannien wanderten im 5. und 6. Jahrhundert einige trotz Romanisierung weiterhin keltisch sprechende Volksgruppen aus Wales und Cornwall in die heutige Bretagne ein.

 

Weitere Informationen zu keltischen Viereckschanzen, bzw. Keltenschanzen gibt es hier bei Wikipedia

Keltenschanze Deisenhofen West (Laufzorner Holz) Kelten Bayern

(Foto mit freundlicher Genehmigung von claude@munich, empfehlenswert: Bilder von claude@munich bei Flickr)

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